Der Heidelberger Katechismus

Der 28. Sonntag

75. Frage: Wie wirst du im heiligen Abendmahl erinnert und versichert, daß du an dem einigen Opfer Christi am Kreuz und allen seinen Gütern Gemeinschaft habest?

Antwort: Also, daß Christus mir und allen Gläubigen von diesem gebrochnen Brot zu essen und von diesem Kelch zu trinken befohlen hat zu seinem Gedächtnis und dabei verheißen1 erstlich, daß sein Leib so gewiß für mich am Kreuz geopfert und gebrochen und sein Blut für mich vergossen sei, so gewiß ich mit Augen sehe, daß das Brot des Herrn mir gebrochen und der Kelch mir mitgeteilet wird; und zum andern, daß er selbst meine Seele mit seinem gekreuzigten Leib und vergoßnen Blut so gewiß zum ewigen Leben speise und tränke, als ich aus der Hand des Dieners empfange und leiblich nieße das Brot und den Kelch des Herrn, welche mir als gewisse Wahrzeichen des Leibs und Bluts Christi gegeben werden.

1) Matth. 26, 26–28; Mark. 14, 22–24; Luk. 22, 19. 20; 1. Kor. 10, 16. 17; 11, 23–25; 12, 13

76. Frage: Was heißt, den gekreuzigten Leib Christi essen und sein vergossenes Blut trinken?

Antwort: Es heißt nicht allein, mit gläubigem Herzen das ganze Leiden und Sterben Christi annehmen und dadurch Vergebung der Sünden und ewiges Leben bekommen2, sondern auch daneben, durch den Heiligen Geist, der zugleich in Christo und in uns wohnet, also mit seinem gebenedeiten Leib je mehr und mehr vereiniget werden3, daß wir, obgleich er im Himmel4 und wir auf Erden sind, dennoch Fleisch von seinem Fleisch und Bein von seinen Beinen sind5 und von einem Geist (wie die Glieder unsers Leibes von einer Seele) ewig leben und regieret werden6.

2) Joh. 6, 35. 40. 47–54
3) Joh. 6, 55. 56
4) Apg. 3, 21; 1. Kor. 11, 26
5) Eph. 3, 16. 17; 5, 29. 30. 32; 1. Kor. 6, 15. 17. 19; 1. Joh. 3, 24; 4, 13
6) Joh. 14, 23; 6, 56–58; 15, 1–6; Eph. 4, 15. 16

77. Frage: Wo hat Christus verheißen, daß er die Gläubigen so gewiß also mit seinem Leib und Blut speise und tränke, als sie von diesem gebrochnen Brot essen und von diesem Kelch trinken?

Antwort: In der Einsetzung des Abendmahls, welche also lautet7: »Unser Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankete und brach’s und sprach: Nehmet, esset, das ist mein Leib, der für euch gebrochen wird; solches tut zu meinem Gedächtnis. Desselbengleichen auch den Kelch nach dem Abendmahl und sprach: Dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut, solches tut, sooft ihr’s trinket, zu meinem Gedächtnis. Denn sooft ihr von diesem Brot esset und von diesem Kelch trinket, sollt ihr des Herren Tod verkündigen, bis daß er kommt.« Und diese Verheißung wird auch wiederholet durch St. Paulum8, der da spricht: »Der Kelch der Danksagung, damit wir danksagen: Ist er nicht die Gemeinschaft des Bluts Christi? Das Brot, das wir brechen: Ist das nicht die Gemeinschaft des Leibs Christi? Denn ein Brot ist’s, so sind wir vielen ein Leib, dieweil wir alle eines Brots teilhaftig sind.«

7) 1. Kor. 11, 23–25; Matth. 26, 26–28; Mark. 14, 22–24; Luk. 22, 19. 20
8) 1. Kor. 10, 16. 17