Der Heidelberger Katechismus

Der 40. Sonntag

105. Frage: Was will Gott in dem sechsten Gebot?

Antwort: Daß ich meinen Nächsten weder mit Gedanken, noch mit Worten oder Gebärden, viel weniger mit der Tat, durch mich selbst oder andere schmähen, hassen, beleidigen oder töten1, sondern alle Rachgierigkeit ablegen2, auch mich selbst nicht beschädigen oder mutwillig in Gefahr begeben soll3. Darum auch die Obrigkeit, dem Totschlag zu wehren, das Schwert trägt.4

1) Matth. 5, 21. 22; 26, 52; 1. Mos. 9, 6
2) Eph. 4, 26; Röm. 12, 19; Matth. 5, 25; 18, 35
3) Röm. 13, 14; Kol. 2, 23; Sir. 3, 27; Matth. 4, 7
4) 1. Mos. 9, 6; 2. Mos. 21, 14; Matth. 26, 52; Röm. 13, 4

106. Frage: Redet doch dies Gebot allein vom Töten?

Antwort: Es will uns aber Gott durch Verbietung des Totschlags lehren, daß er die Wurzel des Totschlags, als Neid5, Haß6, Zorn7, Rachgierigkeit, hasset und daß solches alles vor ihm ein heimlicher Totschlag seie8.

5) Röm. 1, 29
6) 1. Joh. 2, 9. 11
7) Jak. 2, 13; Gal. 5, 19–21
8) 1. Joh. 3, 15

107. Frage: Ist’s aber damit genug, daß wir unsern Nächsten, wie gemeldet, nicht töten?

Antwort: Nein. Denn indem Gott Neid, Haß und Zorn verdammt, will er von uns haben, daß wir unsern Nächsten lieben als uns selbst9, gegen ihn Geduld, Friede, Sanftmut10, Barmherzigkeit11 und Freundlichkeit12 erzeigen, seinen Schaden, soviel uns möglich, abwenden13 und auch unsern Feinden Gutes tun14.

9) Matth. 7, 12; 22, 39
10) Eph. 4, 2; Gal. 6, 1–2; Matth. 5, 9; Röm. 12, 18
11) Matth. 5, 7; Luk. 6, 36
12) Röm. 12, 10. 15
13) 2. Mos. 23, 5
14) Matth. 5, 44. 45; Röm. 12, 20. 21