Der Heidelberger Katechismus
116. Frage: Warum ist den Christen das Gebet nötig?
Antwort: Darum, daß es das vornehmste Stück der Dankbarkeit ist, welche Gott von uns erfordert1, und daß Gott seine Gnade und Heiligen Geist allein denen will geben, die ihn mit herzlichem Seufzen ohne Unterlaß darum bitten und ihm dafür danken2.
1)
Ps. 50, 14. 15
2)
Matth. 7, 7. 8;
Luk. 11, 9. 10.
13;
Matth. 13, 12
117. Frage: Was gehöret zu einem solchen Gebet, das Gott gefalle und von ihm erhöret werde?
Antwort: Erstlich, daß wir allein den einigen wahren Gott, der sich uns in seinem Wort hat offenbaret3, um alles, das er uns zu bitten befohlen hat4, von Herzen anrufen5. Zum andern, daß wir unsere Not und Elend recht gründlich erkennen6, uns vor dem Angesicht seiner Majestät zu demütigen7. Zum dritten, daß wir diesen festen Grund haben8, daß er unser Gebet, unangesehen, daß wir’s unwürdig sind, doch um des Herren Christi willen gewißlich wolle erhören9, wie er uns in seinem Wort verheißen hat10.
3)
Joh. 4, 22–24
4)
Röm. 8, 26;
1. Joh. 5, 14
5)
Joh. 4, 23. 24
6)
2. Chron. 20, 12
7)
Ps. 2, 11;
34, 19;
Jes. 66, 2
8)
Röm. 10, 14;
Jak. 1, 6
9)
Joh. 14, 13–14;
Dan. 9, 17. 18
10)
Matth. 7, 8;
Ps. 143, 1
118. Frage: Was hat uns Gott befohlen, von ihm zu bitten?
Antwort: Alle geistliche und leibliche Notdurft11, welche der Herr Christus begriffen hat in dem Gebet, das er uns selbst gelehret.
119. Frage: Wie lautet dasselbe?
Antwort: Unser Vater12, der du bist in Himmeln, geheiliget werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel. Unser tägliches Brot gib uns heut. Und vergib uns unsere Schuld, als auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns vom Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit, amen.