Das Niederländische Glaubensbekenntnis

Artikel 9

Von der Heiligen Dreieinigkeit

Dies alles erkennen wir aber sowohl aus den Zeugnissen der Heiligen Schrift als ganz besonders aus den Wirkungen, die wir in uns selbst wahrnehmen. Und zwar kommen die Zeugnisse der Heiligen Schrift, welche uns lehren, an diese heilige Dreieinigkeit zu glauben, hin und wieder im Alten Testament vor, die man nicht sowohl zählen als mit richtigem Urteil auswählen muß. Dergleichen sind: 1. Mos. 1 sagt Gott: »Laßt uns Menschen machen nach unserem Bild, nach unserer Gleichnis« usw.1 Und bald darauf: »Also schuf Gott den Menschen nach seinem Bild, nach dem Bild Gottes schuf er ihn, männlichen Geschlechts und weiblichen Geschlechts schuf er sie.« Desgleichen: »Seht, der Mensch ist so freilich worden wie einer von uns.«2 Denn daraus, daß gesagt wird: »Laßt uns Menschen machen nach unserer Gleichnis«, geht hervor, daß eine Mehrheit der Personen in der Gottheit ist. Wo aber gesagt wird »Gott schuf« usw., wird die Einheit Gottes angedeutet. Zwar ist es wahr, daß hier nicht gesagt wird, wieviel Personen seien, jedoch wird, was im Alten Testament dunkel gelehrt wird, uns im Neuen sehr klar auseinandergesetzt. Denn als unser Herr Jesus Christus im Jordan getauft wurde3, wurde die Stimme des Vaters gehört, der da sagte: »Dies ist mein Sohn, der geliebte«, und der Sohn selbst wurde im Wasser gesehen, der Heilige Geist aber erschien unter der Gestalt einer Taube. Sind es deshalb nicht drei? Bei der allgemeinen Taufe aller Gläubigen ist daher diese Formel von Christus eingesetzt: »Tauft alle Völker auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.«4 So redet auch im Evangelium des Lukas der Engel Gabriel die Maria, die Mutter unseres Herrn, an: »Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten, darum auch das Heilige, das von dir geboren wird, wird Gottes Sohn genannt werden.«5 Wir sehen, daß hier der Vater, der Höchste, genannt wird, dann der Sohn Gottes, der von der Jungfrau geboren ist, und der Heilige Geist, der die Jungfrau überschattet hat. Desgleichen: »Die Gnade des Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.«6 Und hier sehen wir deutlich, daß drei genannt werden. Desgleichen: »Drei sind, die da zeugen im Himmel, der Vater, das Wort und der Heilige Geist, und diese drei sind eins.«7

Durch alle diese Stellen werden wir vollkommen belehrt, daß in dem einen Gott drei Personen sind. Und wenn auch diese Lehre alle Fassungskraft des menschlichen Geistes übersteigt, so glauben wir doch jetzt an sie fest nach dem Wort Gottes, harrend, bis wir im Himmel ihrer vollen Erkenntnis werden teilhaftig werden.

Ferner sind auch zu bemerken die einzelnen Tätigkeiten und Wirkungen dieser drei Personen, welche sie einzeln gegen uns verrichten. Denn der Vater heißt unser Schöpfer durch seine Kraft8, der Sohn unser Erlöser durch sein Blut9, der Heilige Geist ist unser Heiligmacher durch sein Wohnen in unseren Herzen10.

Und diese Lehre von der Heiligen Dreieinigkeit hat vom Zeitalter der Apostel bis auf unsere Zeiten die wahre Kirche immer aufrecht gehalten und gegen Juden, Mohammedaner und andere falsche Christen und Ketzer verteidigt, als da waren Marcion, Manes, Praxeas, Sabellius aus Samosata, Arius und ähnliche, welche alle nach Recht und Verdienst von den rechtgläubigen Vätern verdammt worden sind11. Und so nehmen wir gerne diese drei Symbole, das Apostolische, Nizäische und Athanasische, an, und was über diese Lehre dem Sinn jener Symbole gemäß die heiligen Konzilien bestimmt haben.

1) 1. Mos. 1, 26. 27
2) 1. Mos. 3, 22
3) Matth. 3, 16. 17
4) Matth. 28, 19
5) Luk. 1, 35
6) 2. Kor. 13, 13
7) 1. Joh. 5, 7
8) Pred. 12, 3; Mal. 2, 10
9) 1. Petr. 1, 2; 1. Joh. 1, 7; 4, 14
10) 1. Petr. 1, 2; Gal. 4, 6; Tit. 3, 5; Röm. 8, 9; Joh. 14, 16; 1. Kor. 6, 11
11) Marcion war ein Gnostiker des 2. Jahrhunderts, ihm war Christus nur ein Ausfluß der Gottheit. – Mani, im 3. Jahrhundert, der die persische Religion mit der christlichen vermischte, betrachtete Christus und den Heiligen Geist als zwei erhabene Lichtnaturen, von denen jener in Sonne und Mond, dieser im Äther wohnte. – Praxeas, gegen Ende des 2. Jahrhunderts, gehörte zu den Montanisten, welche Christus für einen bloßen Menschen, der aber durch die Kraft des göttlichen Geistes aus der Jungfrau geboren sei, erklärten. – Sabellius, Presbyter von Ptolemais um die Mitte des 3. Jahrhunderts, lehrte, Gott sei nur eine Person, habe sich aber nach den verschiedenen Bedürfnissen als Vater, Sohn und Geist offenbart. – Arius, Presbyter von Alexandrien, lehrte, der Sohn sei einst vom Vater aus nichts geschaffen und ein demselben untergeordnetes Wesen. Seine Lehre wurde zu Nizäa 325 verdammt und festgesetzt, der Sohn sei gleichen Wesens mit dem Vater.