Das Niederländische Glaubensbekenntnis

Artikel 15

Von der Erbsünde

Wir glauben, daß durch den Ungehorsam Adams die sogenannte Erbsünde sich über das ganze Menschengeschlecht verbreitet hat1. Es ist aber die Erbsünde ein Verdorbensein der ganzen Natur, ein angeerbter Fehler, mit dem selbst die Kinder im Mutterleib behaftet sind2, und die wie eine giftige Wurzel alle Art von Sünde im Menschen hervorbringt3, und sie ist so abscheulich und verdammlich vor Gott, daß sie zur Verdammung des ganzen Menschengeschlechts hinreicht4. Auch wird sie nicht durch die Taufe ganz gehoben oder mit der Wurzel ausgerissen, da aus ihr wie aus einer unheilvollen und verderbten Quelle immerwährend Bäche entstehen und ausfließen, obgleich es den Kindern Gottes nicht zur Verdammung gereicht oder angerechnet, sondern aus reiner Gnade und Barmherzigkeit Gottes ihnen vergeben wird; nicht, damit sie im Vertrauen auf diese Vergebung einschlafen, sondern damit das Gefühl dieser Verderbtheit viele Seufzer in den Gläubigen erwecke, damit sie desto sehnlicher wünschen, von diesem Leib des Todes befreit zu werden5.

Hier verwerfen wir daher die Irrlehre der Pelagianer6, welche behaupten, daß die Erbsünde nichts sei als Nachahmung.

1) 1. Mos. 6, 3; Hiob 14, 4; Ps. 51, 7; Joh. 3, 6; Röm. 3, 10; 5, 12. 13
2) Röm. 5, 14; Jes. 48, 8
3) Gal. 5, 19; Röm. 7, 8. 10. 13. 17. 18. 20. 23
4) Eph. 2, 3
5) Röm. 7, 24
6) Die Pelagianer, von Pelagius, einem Mönch am Anfang des 5. Jahrhunderts, so genannt, behaupteten, die menschliche Natur sei durch Adams Sündenfall nicht verschlechtert, sondern dem freien Willen gemäß könne jeder das Gute oder Böse ergreifen, und nur im Voraussehen der Handlungsweise der Menschen hätte Gott die einen zur Seligkeit, die anderen zur Verdammnis bestimmt. Ihr Hauptgegner war Augustinus.