Das Niederländische Glaubensbekenntnis

Artikel 16

Von der göttlichen Vorherbestimmung

Wir glauben, daß Gott, nachdem die ganze Nachkommenschaft Adams so durch die Schuld des ersten Menschen in Verderben und Untergang gestürzt war, sich so gezeigt und bewährt habe, wie er wahrhaft ist, nämlich barmherzig und gerecht1. Barmherzig2 nämlich, indem er von der Verdammnis und dem Untergang diejenigen befreite und erlöste, welche er in seinem ewigen und unveränderlichen Ratschluß aus reiner und unverdienter Güte durch Jesus Christus, unseren Herrn3, erwählte, ohne irgendeine Rücksicht auf gute Werke derselben4. Gerecht aber, indem er andere in ihrem Fall und ihrer Verderbnis ließ, wohinein sie sich selbst gestürzt haben5. Auf diese Weise zeigt er, daß er ein barmherziger und milder Gott sei denen, die er errettet hat, ohne es ihnen schuldig zu sein, wie er sich auch als gerechter Richter zeigt, indem er seine gerechte Strenge gegen die übrigen kundtut. Und dabei fügt er ihnen kein Unrecht zu. Denn daß er einige erlöst hat, geschieht nicht deshalb, weil sie besser sind als die anderen, die alle einem gewissen Untergang verfallen sind, bis Gott sie ausscheidet und sie befreit nach seinem ewigen und unabänderlichen Ratschluß, der in Jesus Christus begründet ist, bevor die Welt geschaffen worden ist. Niemand kann daher nach dieser Ansicht zu dieser Herrlichkeit durch sich selbst gelangen, da wir von uns selbst nicht imstande sind, etwas Gutes zu denken, wenn nicht Gott uns durch seine Gnade und reine Güte zuvorkommt: so sehr ist unsere Natur verdorben.

1) Röm. 9, 18. 22. 23
2) Röm. 9, 15. 16; 11, 32
3) Eph. 1, 4; Röm. 8, 29; 1. Petr. 1, 2; 1. Sam. 12, 22; Ps. 65, 5; Mal. 1, 2; Apg. 13, 48; 2. Tim. 2, 19
4) Röm. 9, 11. 12. 21; 11, 5. 6; Eph. 2, 8–10; 2. Tim. 1, 9; Tit. 3, 4. 5; Ps. 100, 3; 1. Joh. 4, 10
5) Röm. 9, 17. 18; 2. Tim. 2, 20