Das Niederländische Glaubensbekenntnis
Von dem rechtfertigenden Glauben und der Rechtfertigung durch den Glauben
Wir glauben, daß der Heilige Geist durch die wahre Erkenntnis dieses großen Geheimnisses in unseren Herzen den wahren Glauben entzündet1, welcher Jesus Christus mit allen seinen Verdiensten umfaßt und ihn sich zu eigen macht2 und ferner nichts außer ihm sucht3. Denn entweder muß alles, was zu unserem Heil erfordert wird, in Christus nicht sein, oder wenn alles in ihm ist, muß der, welcher durch den Glauben Jesus Christus besitzt, zugleich auch das vollkommene Heil besitzen4. Deshalb ist es überhaupt eine furchtbare Lästerung gegen Gott zu behaupten, daß Christus keineswegs genüge, sondern daß es noch anderer Dinge bedürfe. Denn daraus würde folgen, daß Christus nur zum Teil der Erlöser wäre. Deshalb sagen wir mit Fug und Recht mit dem heiligen Paulus, daß wir allein durch den Glauben gerechtfertigt werden, oder durch den Glauben ohne die Werke des Gesetzes5.
Übrigens meinen wir nicht, daß der Glaube selbst, eigentlich geredet, es ist, der uns rechtfertigt, oder daß wir wegen des Glaubens gerechtfertigt werden; denn er ist nur ein Werkzeug, wodurch wir Christus, unsere Gerechtigkeit, ergreifen6. Christus selbst ist daher, indem er uns alle seine Verdienste und die so vielen heiligen Werke, die er für uns getan hat, anrechnet, unsere Gerechtigkeit; der Glaube aber ist das Werkzeug, durch welches wir mit ihm zur Gemeinschaft an allen seinen Gütern verbunden und in ihr erhalten werden, so daß diese alle, nachdem sie unser geworden sind, für uns zu unserer Befreiung von der Sünde mehr als hinreichen.
1)
Ps. 51, 13;
Eph. 1, 17. 18;
3, 16. 17;
1. Kor. 2, 12
2)
Gal. 2, 21;
1. Kor. 1, 30
3)
1. Kor. 2, 2;
Apg. 4, 12
4)
Matth. 1, 21;
Röm. 8, 1.
33
5)
Röm. 3, 27;
Gal. 2, 16;
Röm. 10, 4
6)
Jer. 23, 6;
Röm. 3, 24. 25;
4, 5;
Ps. 31, 1;
Phil. 3, 9;
2. Tim. 1, 2;
Tit. 3, 5;
1. Kor. 1, 30