Das Niederländische Glaubensbekenntnis
Von unserer Gerechtigkeit, durch die wir vor Gott bestehen
Wir glauben, daß unsere Seligkeit auf der Vergebung unserer Sünden beruht, die durch Jesus Christus geschieht, und daß darin unsere Rechtfertigung vor Gott besteht, wie der heilige Paulus uns aus dem David lehrt, wenn er sagt: »Selig sei der Mensch, welchem Gott die Gerechtigkeit zurechnet ohne die Werke«1. Derselbe Apostel sagt: »Wir werden ohne Verdienst gerecht gemacht durch die Erlösung, die da ist in Christus Jesus.«2
Und deshalb behalten wir diesen festen Grund in Ewigkeit und geben Gott alle Ehre3, indem wir über uns selbst ganz demütig gesinnt sind, wohlwissend, wer und wie wir sind4. Deshalb erwarten wir von uns oder irgend unseren Verdiensten durchaus nichts; sondern ganz auf den Gehorsam des gekreuzigten Jesus Christus5 gestützt, beruhigen wir uns bei ihm durchaus, indem er der Unsrige wird, wenn wir an ihn glauben6. Dieser eine reicht völlig hin, sowohl um alle unsere Ungerechtigkeiten zu bedecken, als auch um uns gegen alle Versuchungen sicher zu machen. Denn jener entfernt vom Gewissen alle Furcht, allen Schrecken, alle Scheu, damit wir näher zu Gott treten7 und nicht dem Beispiel unseres ersten Vaters nachahmen, der, aus Furcht fliehend, sich mit Feigenblättern zu bedecken und zu verbergen versuchte8.
Und wenn wir, auf uns selbst oder irgendein anderes Geschöpf auch nur im geringsten gestützt, uns vor Gott stellen müßten, so ist es gewiß, daß wir sogleich vergehen würden9. Deshalb muß jeder von uns vielmehr mit David ausrufen: »Herr, gehe nicht zu Gericht mit deinem Knecht, denn vor deinem Angesichte ist niemand gerecht, der da lebt.«10
1)
Luk. 1, 77;
Kol. 1, 14;
Ps. 32, 1. 2;
Röm. 4, 6. 7
2)
Röm. 3, 23
3)
Ps. 115, 1
4)
1. Kor. 4, 7;
Röm. 4, 2;
1. Kor. 1, 29.
31
5)
Röm. 5, 19
6)
Hebr. 11, 6. 7;
Eph. 2, 8
7)
Röm. 5, 1;
Eph. 3, 12
8)
1. Mos. 3, 7
9)
5. Mos. 27, 26;
Jak. 2, 10;
Jes. 33, 14
10)
Ps. 130, 3;
143, 2;
Matth. 18, 23–26