Was ist rettender Glaube?

Predigt über Hebräer 11 und Heidelberger Katechismus, Sonntag 7

von Rev. Barry Gritters
Protestant Reformed Church Hudsonville, Michigan

Wir lesen heute morgen das Wort Gottes im 11. Kapitel des Hebräerbriefes. Wir wollen das ganze Kapitel lesen, ein langes Kapitel, in welchem die Gabe des Glaubens gepriesen wird. Hebräer 11:

»Der Glaube aber ist eine Verwirklichung dessen, was man hofft, ein Überführtsein von Dingen, die man nicht sieht. Denn durch ihn haben die Alten Zeugnis erlangt.

Durch Glauben verstehen wir, daß die Welten durch Gottes Wort bereitet worden sind, so daß das Sichtbare nicht aus Erscheinendem geworden ist.

Durch Glauben brachte Abel Gott ein besseres Opfer dar als Kain, durch welchen [Glauben] er das Zeugnis erhielt, daß er gerecht war, indem Gott Zeugnis gab zu seinen Gaben; und durch diesen [Glauben] redet er noch, obgleich er gestorben ist.

Durch Glauben wurde Henoch entrückt, so daß er den Tod nicht sah, und er wurde nicht gefunden, weil Gott ihn entrückt hatte; denn vor der Entrückung hat er das Zeugnis gehabt, daß er Gott wohlgefallen habe. Ohne Glauben aber ist es unmöglich, [ihm] wohlzugefallen; denn wer Gott naht, muß glauben, daß er ist und denen, die ihn suchen, ein Belohner sein wird.

Durch Glauben bereitete Noah, als er eine göttliche Weisung über das, was noch nicht zu sehen war, empfangen hatte, von Furcht bewegt, eine Arche zur Rettung seines Hauses. Durch ihn verurteilte er die Welt und wurde Erbe der Gerechtigkeit, die nach dem Glauben ist.

Durch Glauben war Abraham, als er gerufen wurde, gehorsam, auszuziehen an den Ort, den er zum Erbteil empfangen sollte; und er zog aus, ohne zu wissen, wohin er komme. Durch Glauben siedelte er sich im Land der Verheißung an wie in einem fremden und wohnte in Zelten mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung; denn er erwartete die Stadt, die Grundlagen hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist. Durch Glauben empfing er auch mit Sara Kraft, Nachkommenschaft zu zeugen, und zwar über die geeignete Zeit des Alters hinaus, weil er den für treu achtete, der die Verheißung gegeben hatte. Deshalb sind auch von einem, und zwar Gestorbenen, [so viele] geboren worden wie die Sterne des Himmels an Menge und wie der Sand am Ufer des Meeres, der unzählbar ist.

Diese alle sind im Glauben gestorben und haben die Verheißungen nicht erlangt, sondern sahen sie von fern und begrüßten sie und bekannten, daß sie Fremde und ohne Bürgerrecht auf der Erde seien. Denn die solches sagen, zeigen deutlich, daß sie ein Vaterland suchen. Und wenn sie an jenes gedacht hätten, von welchem sie ausgegangen waren, so hätten sie Zeit gehabt, zurückzukehren. Jetzt aber trachten sie nach einem besseren, das ist nach einem himmlischen. Darum schämt sich Gott ihrer nicht, ihr Gott genannt zu werden, denn er hat ihnen eine Stadt bereitet.

Durch Glauben hat Abraham, als er versucht wurde, den Isaak dargebracht, und er, der die Verheißungen empfangen hatte, brachte den einzigen [Sohn] dar, über den gesagt worden war: ‚In Isaak soll deine Nachkommenschaft genannt werden‘, indem er urteilte, daß Gott auch aus den Toten erwecken könne, von woher er ihn auch im Gleichnis empfing. Durch Glauben segnete Isaak auch im Hinblick auf zukünftige Dinge den Jakob und den Esau. Durch Glauben segnete Jakob sterbend einen jeden der Söhne Josephs und betete an über der Spitze seines Stabes. Durch Glauben gedachte Joseph sterbend des Auszugs der Söhne Israels und traf Anordnung wegen seiner Gebeine.

Durch Glauben wurde Mose nach seiner Geburt drei Monate von seinen Eltern verborgen, weil sie sahen, daß das Kind schön war; und sie fürchteten das Gebot des Königs nicht. Durch Glauben weigerte sich Mose, als er groß geworden war, ein Sohn der Tochter Pharaos zu heißen, und zog es vor, [lieber] mit dem Volk Gottes Ungemach zu leiden, als den zeitlichen Genuß der Sünde zu haben, indem er die Schmach des Christus für größeren Reichtum hielt als die Schätze Ägyptens; denn er schaute auf die Belohnung. Durch Glauben verließ er Ägypten und fürchtete die Wut des Königs nicht; denn er hielt standhaft aus, als sähe er den Unsichtbaren. Durch Glauben hat er das Passah gefeiert und die Blutbestreichung ausgeführt, damit der Verderber der Erstgeburt sie nicht antastete.

Durch Glauben gingen sie durch das Rote Meer wie über trockenes Land, während die Ägypter, als sie es versuchten, verschlungen wurden.

Durch Glauben fielen die Mauern Jerichos, nachdem sie sieben Tage umzogen waren.

Durch Glauben kam Rahab, die Hure, nicht mit den Ungehorsamen um, da sie die Kundschafter in Frieden aufgenommen hatte.

Und was soll ich noch sagen? Denn die Zeit würde mir fehlen, wenn ich erzählen wollte von Gideon, Barak, Simson, Jefthah, David und Samuel und den Propheten, die durch Glauben Königreiche bezwangen, Gerechtigkeit wirkten, Verheißungen erlangten, der Löwen Rachen verstopften, des Feuers Kraft auslöschten, des Schwertes Schärfe entgingen, aus der Schwachheit Kraft gewannen, im Kampf stark wurden, der Fremden Heere zurücktrieben. Frauen erhielten ihre Toten durch Auferstehung wieder; andere aber wurden gefoltert, da sie die Befreiung nicht annahmen, um eine bessere Auferstehung zu erlangen. Andere aber wurden durch Verhöhnung und Geißelung versucht, dazu durch Fesseln und Gefängnis. Sie wurden gesteinigt, verbrannt, zersägt, starben den Tod durch das Schwert, gingen umher in Schafpelzen, in Ziegenfellen, hatten Mangel, Drangsal, Ungemach. Sie, deren die Welt nicht wert war, irrten umher in Wüsten und Gebirgen und Höhlen und den Klüften der Erde.

Und diese alle, die durch den Glauben ein Zeugnis erhielten, haben die Verheißung nicht erlangt, da Gott für uns etwas Besseres vorgesehen hat, damit sie nicht ohne uns vollendet werden sollten.«

Besonders diese Stelle im Wort Gottes, aber auch viele andere in der Schrift, bilden die Grundlage für die Lehre des Heidelberger Katechismus am 7. Sonntag in den Fragen 21 bis 23. Sie lauten:

»Was ist wahrer Glaube? Es ist nicht allein eine gewisse Erkenntnis, dadurch ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbaret, sondern auch ein herzliches Vertrauen, welches der Heilige Geist durchs Evangelium in mir wirket, daß nicht allein andern, sondern auch mir Vergebung der Sünden, ewige Gerechtigkeit und Seligkeit von Gott geschenkt sei aus lauter Gnaden, allein um des Verdiensts Christi willen.

Was ist aber einem Christen not zu glauben? Alles, was uns im Evangelium verheißen wird, welches uns die Artikel unsers allgemeinen, ungezweifelten, christlichen Glaubens in einer Summa lehren.

Wie lauten dieselben? …«

Und dann folgen die zwölf Artikel des Glaubens, die wir jeden Sonntagabend bekennen.

Die beherrschende Frage an dieser Stelle des Katechismus ist Frage 21: Was ist wahrer Glaube?

Gibt es im Leben eines Kindes Gottes etwas Wichtigeres als den Glauben? Wenn jemand euch fragen würde: »Was ist euch auf der Welt am wichtigsten?«, was würdet ihr antworten? Was ist euch auf der ganzen Welt am wichtigsten? Ich hoffe, eure Antwort wäre nicht: »Glaube«. Ich bete, ihr würdet antworten: »Jesus Christus ist das Wichtigste auf der Welt. Ich brauche Christus.« Nun verhält es sich mit dieser Frage und den beiden möglichen Antworten so, als würde man jemanden fragen: »Was ist wichtiger: die Speise oder der Mund?« Darauf würdet ihr antworten: »Nun, natürlich ist die Speise wichtiger. Wenn ich nichts zu essen hätte, würde ich sterben.« Aber im selben Augenblick würden ihr erkennen: »Aber wenn ich keinen Mund hätte, könnte ich nicht essen und würde auch sterben.« So verhält es sich auch mit der Frage, was uns auf der Welt am wichtigsten sei. Ihr sagt: »Gewiß, der Herr Jesus Christus, der wahrer Gott vom wahren Gott ist, der mein Herr und mein Erlöser ist, der sich für mich hingegeben hat: er ist wichtiger als alles andere auf der Welt. Und doch kann ich ihn nicht besitzen außer durch Glauben. Und darum preise ich in den höchsten Tönen die Gabe, welche Gott mir geschenkt hat: den Glauben.« Der Heidelberger Katechismus tut genau das in der 7. Sonntagsabteilung, auch schon in der Frage 20, mit der wir uns vor einigen Wochen befaßten:

»Werden denn alle Menschen wiederum durch Christum selig, wie sie durch Adam sind verloren worden? Nein, sondern allein diejenigen, die durch wahren Glauben ihm werden eingeleibet und alle seine Wohltaten annehmen.«

Darin liegt die Bedeutung des Glaubens: Ohne Glauben kann man nicht gerettet werden, sondern man muß durch ihn mit Christus vereinigt sein! Das kommt auch in den Fragen 21 bis 23 zum Ausdruck: »Was ist wahrer Glaube? Was ist einem Christen not zu glauben?« Der Katechismus preist in den höchsten Tönen dieses Geschenk Gottes, den Glauben. Und darum haben wir heute das ganze elfte Kapitel des Hebräerbriefes gelesen, weil es der klassische Abschnitt ist, in dem der Glaube als das Mittel gerühmt wird, durch welches das Kind Gottes erlöst wird, und als das Werkzeug, mit dem Gott uns Christus darreicht, der unsere Erlösung ist. Wenn man Hebräer 11 liest, kommt man nicht umhin, die große Bedeutung des Glaubens zu erkennen: Durch Glauben verstehen wir die Welten, durch Glauben baute Noah die Arche, durch Glauben wurde Mose nach seiner Geburt drei Monate von seinen Eltern verborgen, durch Glauben feierten sie das Passah – in allem, was das Volk Gottes tat, handelte es durch Glauben, und durch Glauben handelt das Volk Gottes auch heute noch.

Was ist euch im Leben am wichtigsten? Jesus Christus. Was steht an Bedeutung gleich neben Jesus Christus, nämlich als das Mittel, durch das er zu mir kommt? –

Habt ihr Glauben? Habt ihr rettenden Glauben? Seid ihr mit Christus vereinigt? Nehmt ihr ihn an und empfangt alle seine Wohltaten? Lebt ihr wirklich mit dieser Gabe des Glaubens? Aus gutem Grund fragt der Katechismus: Was ist wahrer Glaube?, denn es gibt viele Leute, die zwar Glauben haben, aber keinen rettenden oder seligmachenden Glauben, wie die Dordrechter Lehrsätze jenen Glauben nennen, der uns mit Christus vereinigt. Habt ihr wahren Glauben? Wer keinen wahren Glauben hat, der kommt um.

Ich möchte heute zwei Fehler vermeiden. Einer der Fehler wäre, anzunehmen, daß ein jeder in dieser Gemeinde Glauben habe, daß es so etwas wie Ungläubige, die regelmäßig sonntags den Gottesdienst besuchen, nicht gäbe. Das wäre ein Fehler, denn das Wort Gottes lehrt: »Nicht alle, die aus Israel sind, die sind Israel.« Nicht alle, die Glauben bekennen, sind wahre Gläubige. Darum frage ich jeden einzelnen von euch: Hast du wahren Glauben?

Aber ich möchte auch einen anderen Fehler vermeiden, und zwar diesen: Unter uns sind einige, die den rettenden Glauben haben, aber ihr rettender Glaube ist schwach, und sie kämpfen mit sich und zweifeln und bangen. Und eine Predigt wie diese ließe sie nur noch mehr kämpfen und zweifeln und bangen. Ich sage, das wäre ein Fehler, und ich möchte auch diesen Fehler vermeiden. Somit sollen zum einen diejenigen, die zwar behaupten, sie seien ein Kind Gottes, sie glaubten und kämen in den Himmel, aber in Wirklichkeit keinen Glauben haben, klar erkennen, daß ihr Glaube, was immer sie erzählen mögen, kein wahrer Glaube ist. Und zum anderen wollen wir jene Gläubigen durch das Wort Gottes stärken, die zweifeln und bangen und eingestehen: »Ich weiß nicht, ob ich wirklich mit Jesus Christus vereinigt bin«, und wollen sie ausrufen lassen: »Ich habe wahren Glauben!« So wollen wir heute vorgehen.

Was ist rettender Glaube? Beim letzten Mal untersuchten wir die Frage, ob alle Menschen gerettet werden. Heute stellen wir in Verbindung mit Sonntag 7 des Katechismus aus der Bibel heraus die Frage: Was ist rettender Glaube? Wir wollen diese Frage beantworten, indem wir zum einen das Gegenteil des rettenden Glaubens untersuchen: Rettender Glaube kann dem Unglauben und dem falschen Glauben gegenübergestellt werden. Zum zweiten wollen feststellen, worin das Wesen des wahren Glaubens besteht, so daß wir wissen, daß wir Glauben haben. Und drittens wollen wir, und zwar insbesondere mit Hilfe von Hebräer 11, die große Kraft und den Segen betrachten, die Gott uns durch den Glauben verleiht.

Unsere heutige Richtschnur ist die Frage: Habt ihr rettenden Glauben? Man kann diese Frage beantworten, indem man auf eine andere Frage antwortet: Verwerft ihr das Evangelium im Unglauben? Denn das ist das Gegenteil des Glaubens. Der Glaube empfängt das Evangelium, der Glaube hält die Heilige Schrift für Wahrheit. Der Unglaube dagegen sagt: »Das tue ich nicht. Ich will nichts damit zu tun haben. Ich verachte das Evangelium. Und«, so sagt der Unglaube, »ich verachte nicht nur das Evangelium, sondern ich verachte und verwerfe Jesus Christus, der im Evangelium enthalten ist und durch das Evangelium gepredigt wird, und ich will auch nichts mit Gott zu tun haben, dessen Christus er ist und dessen Evangelium gepredigt wird.« So ist der Unglaube. Seid ihr ungläubig? Sagt ihr: »Ich will nicht glauben«?

Es gibt viele Gründe für den Unglauben. Da ist zum einen die Tatsache, daß Gott den Glauben von einigen fernhält – denn es ist eine grundlegende Wahrheit, daß der Glaube ein Geschenk ist und Gott dieses Geschenk nicht allen zuteil werden läßt. Aber auch aus menschlicher Sicht gibt es viele Gründe, warum jemand Christus verwirft, nicht an das Evangelium glaubt und Gott haßt.

Ein Grund könnte sein, daß das Evangelium fordert, sich vor Gott in der Erkenntnis zu demütigen, daß wir schuldig sind, noch bevor wir eine einzige Sünde begangen haben, daß wir in unserer Natur verderbt sind, daß unser Fleisch nicht Gutes hervorbringt und daß wir dieser Erkenntnis entsprechend ein Leben in Demut und Bescheidenheit führen müssen. Das Evangelium fordert auch, sich nicht auf sich selbst, sondern auf einen anderen zu verlassen. Und deshalb könnte ein Mann oder eine Frau oder ein junger Mensch sagen: »Ich lehne das Evangelium ab, weil ich mich weigere zu glauben, daß ich schuldig sei, bevor ich eine einzige Sünde begangen habe, daß ich von Natur aus verderbt sei und daß mein Heil von einem anderen abhänge – ich werde das Evangelium nicht annehmen! Ich werde Jesus Christus und seine Wohltaten nicht annehmen!« Ist das eure Antwort auf das Evangelium? Seid ihr heute als Ungläubige hier, weil ihr hochmütig seid? Dann spricht das Wort Gottes heute zu euch: Tut Buße von eurem Hochmut und demütigt euch vor der Hand Gottes, oder sterbt im Unglauben! Werden alle Menschen gerettet, wie sie in Adam umgekommen sind? Nein, sondern allein diejenigen, die Christus durch wahren Glauben eingeleibt werden. Wer nicht an den Herrn Jesus Christus glaubt, wer sich weigert, sich zu demütigen, der kommt um. Das Wort Gottes ergeht an euch: Tut Buße und glaubt!

Vielleicht glaubt ihr deshalb nicht, weil ihr stolz auf euer Wissen seid und mit eurem Wissen prahlt. Vielleicht besitzt ihr ein gutgehendes Unternehmen. Vielleicht habt ihr einen akademischen Grad an einer Universität erworben. Vielleicht habt ihr es auch ohne formelle Bildung und aus eigener Kraft zu etwas gebracht, und meint darum: »Ich brauche dieses Evangelium nicht; es ist meiner nicht würdig. Ich habe es nicht nötig, das Evangelium anzunehmen und daran zu glauben. Ich akzeptiere und glaube viele andere Dinge.« Ist das der Grund, warum ihr ungläubig seid? Dann ergeht heute das Wort Gottes an euch und spricht: Tut Buße von eurem Stolz und dem Vertrauen auf euer Wissen, oder ihr kommst um! Werden alle Menschen gerettet, die in Adam umgekommen sind? Nein, sondern nur diejenigen, die durch Glauben das Evangelium annehmen.

Vielleicht seid ihr heute als Ungläubige hier, weil ihr wißt, daß das Evangelium, nachdem es durch Glauben an Christus empfangen worden ist, nachdem er in euer Herz gekommen ist, von euch ein Leben in Dankbarkeit und Demut und Gehorsam und Aufopferung und Wandel und Hingabe des Lebens an Gott und die Kirche verlangt, und ihr entgegnet: »Diese Art von Leben will ich nicht führen. Ich will mein eigenes Leben haben. Ich werde meinen eigenen Geboten gehorchen, und darum bin ich ungläubig. Zwar komme ich jeden Sonntag zum Gottesdienst, aber wenn jemand wirklich mein Leben sehen und mit mir reden würde, dann wüßte er, daß ich ungläubig bin. Und ich bin ungläubig aus diesem Grund: Ich will mein eigenes Leben führen und meinen eigenen Weg gehen. Ich werde mich nicht von meinem Unglauben bekehren.« Wenn das eure Antwort auf das Evangelium ist, dann spricht das Wort Gottes heute in aller Deutlichkeit zu euch – ob zu einem jungen Menschen oder einem alten Mann oder einer alten Dame: Tut Buße von eurem Unglauben und demütigt euch vor der mächtigen Hand Gottes und nehmt Jesus Christus durch wahren, lebendigen Glauben an! Werden alle Menschen, wie sie in Adam verlorengegangen sind, durch Christus gerettet? Nein, sondern nur diejenigen, die glauben.

Aus diesem Grund, Geliebte Gottes, beten gläubige Eltern in der Gemeinde für ihre Kinder, von der Empfängnis bis zu dem Tag, an dem sie das Elternhaus verlassen, und während ihres ganzen Lebens außerhalb des Elternhauses. Und sie beten vor allem diese drei Dinge: Gott, bewahre sie vor irdischem, sündigen, menschlichen Stolz! Bewahre sie davor, mit ihrem Wissen zu prahlen! (Vor allem, wenn sie sehen, daß die Kinder Wissen haben!) Und, o Gott, bewahre sie vor dem Entschluß, ihr eigenes Leben zu führen, ihre eigenen Wege zu gehen und auf diesem Pfad zu wandeln, weil sie fleischlich sind. Gott, bewahre unsere Kinder vor diesen Wurzeln des Unglaubens!

Im Unglauben gibt es keine Erlösung, keine Errettung von der Hölle, keine tägliche Erlösung von der Sündenschuld und dem Wissen, daß ich bei meinem Tod verlorengehe. Im Unglauben gibt es nur Elend, nur Hölle. Habt ihr Glauben, oder ist euer Herz ein ungläubiges Herz? Müßt ihr euch eingestehen: »Nun, ich meine, Glauben zu haben, aber mein Glaube sieht aus wie das, was die Bibel zwar Glauben nennt, aber falschen Glauben«?

Wohlan, wir wollen auch diese Arten des »Glaubens« betrachten, und wir wollen das, was wir in unseren Herzen zu haben meinen, diesen Arten des falschen Glaubens gegenüberstellen. Das Wort Gottes redet vom falschen Glauben und hebt dabei drei Arten besonders hervor.

Das Wort Gottes redet von dem Glauben der Dämonen, welcher manchmal auch »Kopfglaube« genannt wird. Das ist jene Art des Glaubens, die eine geistige Kenntnis von den Lehren der Schrift ist, ein Erkennen der Dinge und selbst eine Hinwendung zu den Dingen, die die Bibel lehrt, ohne aber diese Lehren wirklich im Herzen anzunehmen und ohne sie von Herzen zu lieben und ohne Frucht, die aus diesem Glauben im Herzen geboren wird: ein rein verstandesmäßiger Glaube. Ich sage, daß er Glaube der Dämonen genannt wird, weil Jakobus im zweiten Kapitel, wo er von den Dämonen redet, sinngemäß sagt: »Ihr glaubt? Glaubt ja nicht, daß ihr Christus annehmt und mit Christus vereinigt seid; denn auch die Dämonen glauben! Und die Dämonen werden für alle Ewigkeit in der Hölle schmoren. Sie zittern in ihrem Glauben.« Das also ist die Art intellektuellen Verstehens des Wortes Gottes, denn auch die Dämonen wissen, daß das Wort Gottes Wahrheit ist, sie leugnen nichts davon, aber sie haben keine Liebe für dieses Wort und bringen keine Früchte hervor.

Solch einen Glauben hatte Agrippa. Ihr erinnert euch, daß Paulus auf seinem Weg nach Rom einen Zwischenaufenthalt einlegte, um vor dem König Agrippa und dessen Begleitung Zeugnis abzulegen. Er predigte vor Agrippa, und am Ende der Predigt meinte dieser: »Paulus, in Kürze überredest du mich, Christ zu werden.« Das war Agrippas Antwort auf die Frage des Paulus: »Glaubst du, König Agrippa?« Und bevor Agrippa antworten konnte, sagte Paulus: »Agrippa, ich weiß, daß du glaubst.« Und darauf entgegnete Agrippa: »Paulus, in Kürze überredest du mich, Christ zu werden. Aber ich bin kein Gläubiger. Ich bin kein Christ. Beinahe hättest du mich überredet zu glauben, aber ich weigere mich.«

Die Kirchen sind voll mit diesem »Kopfglauben«. Es ist ein Glaube, den höchstwahrscheinlich auch einige in dieser Gemeinde haben. Sie sind hier aufgewachsen, haben hier die Katechese durchlaufen, sind hier in die Sonntagsschule gegangen, haben hier die christliche Schule besucht, sind hier getauft worden, haben hier vielleicht sogar das Glaubensbekenntnis abgelegt. Sie verstehen das Wort Gottes, sie lehnen nichts von dem ab, was die Bibel lehrt. Sie sagen: »Ich verstehe es, ich glaube, daß es wahr ist.« Aber sie lieben es nicht und bringen keine Früchte daraus hervor. Es ist Glaube – die Bibel nennt es Glaube –, aber es ist kein wirklicher Glaube, kein rettender Glaube, keine Vereinigung mit Christus, durch welche die Wohltaten Christi in unsere Herzen fließen. Werden alle Menschen gerettet, werdet ihr gerettet durch solch einen Glauben? Nein! Nur diejenigen werden gerettet, die wahren Glauben haben! Und wenn jenes euer Glaube ist, ob ihr ihn nun bekannt habt oder nicht, so spricht das Evangelium Gottes heute zu euch: Tut Buße von der Sünde, einen bloßen Kopfglauben zu haben, und nehmt mit dem Herzen den Herrn Jesus Christus und sein Evangelium an und empfangt ihn, indem ihr euch demütigt, und werdet gerettet. Denn jeder, der wahrhaft glaubt, wird gerettet werden, und niemand, der wahrhaft glaubt, wird jemals verlorengehen. Glaubt, Gemeinde Gottes, glaubt!

Oder die Bibel spricht von dem Glauben, der einigen Neubekehrten eigen ist. Dieser wird manchmal als zeitweiliger oder vorübergehender Glaube bezeichnet. Diese Art Glaube kommt mit einer gefühlsmäßigen Annahme der Wahrheit einher, wenn jemand sie zum ersten Mal hört. Vielleicht ist es jemand, der vom Missionsfeld kommt, vielleicht jemand, der, selbst nach Jahren der Zugehörigkeit zur Kirche, zur Erkenntnis dieser Dinge gelangt. Er nimmt diese Wahrheiten gefühlsmäßig an – für eine Weile. Doch schon bald – weil er den Druck und die Wirklichkeit der Kirchenzugehörigkeit versteht – verwirft er das Evangelium und den darin enthaltenen Christus und verläßt es wieder. Das ist die Art des Glaubens, welche der Herr mit dem Gleichnis von den verschiedenen Hörern des Evangeliums in Lukas 8 beschreibt: Da sind diejenigen auf dem felsigen Grund, welche, wenn sie hören, das Wort mit Freude aufnehmen, aber keine Wurzel haben. Sie blühen auf – es scheint, als würden sie leben –, aber es ist keine Wurzel da. Und wenn die Sonne der Versuchung zu brennen anfängt, dann welken sie dahin und gehen ein. So waren die von Jesus beschriebenen Leute, die ihm eine Zeitlang in seiner irdischen Mission folgten. Nur eine Zeitlang. Ihnen gefiel, was sie sahen. Sie fühlten sich hingezogen zu Jesus und zu dem, was er tat, und so verließen sie alles und folgten ihm nach – für eine Weile. Doch sie verließen ihn, als sie ihn solche Worte reden hörten: »Verleugnet euch selbst, nehmt euer Kreuz auf und folgt mir nach!« »Geht hin, verkauft alles, was ihr habt und verteilt es an die Armen und folgt mir nach!« Oder: »Mein Fleisch ist wahre Speise, und mein Blut ist wahrer Trank. Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt – und er allein – hat ewiges Leben und wird nicht umkommen.«

Auch in der heutigen Kirche gibt es diesen zeitweiligen Glauben. Wie ich bereits erwähnte, handelt es sich nicht nur um jene, die durch die Missionierung zur ersten Erkenntnis des Glaubens gekommen sind. Nein, manchmal hört man selbst in der Gemeinde einen jungen Mann oder eine junge Frau sagen: »Ich habe mir nie vorher die Predigt angehört, aber jetzt höre ich zu, und mir gefällt, was ich höre, ich bin richtig begeistert davon!« Und dann reden sie zu jedermann von diesem Glauben und schwärmen für diesen Glauben. Aber weil dieser Glaube nicht in ihren Herzen und nicht in der Erkenntnis verwurzelt ist, daß sie Christus wirklich brauchen, daß sie verderbt sind und in der Hölle umkommen, wenn sie Christus nicht besitzen: darum ist es kein wahrer Glaube. Und darum müssen die Missionare sehr wachsam sein, wenn Leute einer Einladung zum Gottesdienst folgen und vom gepredigten Evangelium begeistert sind und beim nächsten Mal ihre Freunde und Familien mitbringen wollen. Aufmerksam hört der Missionar ihnen zu und empfängt sie und führt sie hinein und läßt sie teilnehmen, doch immer mit dem Wissen, daß es auch falschen, zeitweiligen Glauben gibt. Berechnet die Kosten, bevor ihr das Glaubensbekenntnis ablegt! Berechnet die Kosten, bevor ihr euch einer neuen Gemeinde anschließt, vielleicht dieser Gemeinde, von irgendwoher! Versteht, Gemeinde Gottes, was von einem Gläubigen verlangt wird! Es gibt falschen Glauben.

Und dann gibt es zum dritten den Glauben derer, die immer die Vorteile in der Kirche suchen, aber nicht haben wollen, was die Kirche sonst noch mit sich bringt. Das überschneidet sich mit den anderen Arten des falschen Glaubens, die ich eben beschrieben habe, ist aber dennoch ein falscher Glaube für sich. Das Wort Gottes und die Kirchen haben diesen Glauben oftmals »Wunderglauben« genannt. Er wird so genannt, weil es ein unechter Glaube ist, der daran glaubt, daß Jesus Wunder vollbringen kann, und die Leute nun glauben machen läßt, daß sie selbst Wunder vollbringen könnten oder daß Jesus ein Wunder an ihnen oder für sie vollbringen könnte. Eben ein Wunderglaube. Ihr wißt, daß es solche Leute zur Zeit des Wirkens Christi hier auf Erden ebenfalls gab. Sie folgten ihm nach, weil sie seine Wunder sahen, und sie hingen ihm so sehr an, daß sie schließlich selbst Wunder tun konnten. Oder an ihnen selbst geschahen Wunder, wie an den zehn Aussätzigen, von denen nur einer zurückkehrte, um Christus zu danken. Davon spricht Christus in Matthäus 7: Wenn der Jüngste Tag gekommen ist und Gericht gehalten wird, wird es Leute geben, die zu Jesus kommen und zu ihm sagen werden – nachdem er sie weggeschickt hat: »Warte, Herr! Haben wir nicht durch deinem Namen geweissagt? Haben wir nicht durch deinen Namen viele Wunderwerke getan? Haben wir nicht die Kranken durch deinen Namen geheilt und Tote durch deinen Namen aufgeweckt? Haben wir nicht all diese Dinge durch deinen Namen getan? Warum schickst du uns fort?« Und Jesus wird ihnen entgegnen: »Weicht von mir! Ich habe euch niemals gekannt!« Er verneint nicht, daß sie all diese Taten vollbracht haben, aber er verneint, daß sie durch wahren, lebendigen Glauben mit Jesus vereinigt worden sind.

Die gleichen Leute gibt es auch heute in der Welt und in den Kirchen. Sie mögen nicht unbedingt fähig sein, Wunder zu vollbringen – obwohl ich nicht zweifle, daß das Wort Gottes lehrt, daß Wunder möglich sind und in der Zeit des Antichrists erneut auftreten werden. Doch daneben gibt es auch Leute, die die Gottesdienste besuchen, weil sie gern Wunder vollbringen oder großartige Dinge für die Kirche tun wollen, sie wollen einbezogen werden und aktiv sein, und all das nicht aus dem Grund, weil sie verstehen, was Gott fordert oder was die Kirche braucht, sondern weil sie gern von den anderen gesehen werden wollen, wenn sie all diese Dinge um der Kirche willen tun: für die Kinder in der Gemeinde oder für die jungen Leute in der Gemeinde oder für die Evangelisierungsaktivitäten der Gemeinde. Andere besuchen vielleicht die Gottesdienste und bleiben Mitglied der Kirche wegen all der Vorteile, die ihnen durch die Zugehörigkeit zur Kirche zufließen. Sie alle haben einen gewissen Glauben, wir nennen es Wunderglauben, aber es ist ein unechter Glaube. Und für diesen wie für alle anderen Arten des falschen Glaubens gilt: Wer solch einen Glauben hat, zu dem spricht das Evangelium heute: Tue Buße, oder du kommst um! Es gibt keine Errettung ohne wahren, lebendigen Glauben.

Wahrer, lebendiger Glaube, Gemeinde Gottes, ist Gemeinschaft, wirkliche Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus. Es ist eine Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus, wie sie zum Ausdruck kommt – und das betonen Frage 21 und 22 des Katechismus; die Gemeinschaft wird in Frage 20 behandelt und die Auswirkungen dieser Gemeinschaft in den folgenden Fragen und Antworten – in einer Erkenntnis all dessen, was das Evangelium lehrt – und solche Erkenntnis kommt immer aus dem Herzen – und einem Vertrauen, daß diese Dinge nicht nur für andere gelten, sondern auch für mich, und daß diese Dinge wahr sind nicht wegen mir, sondern wegen Christus, und daß alle Wohltaten Christi mir aus Gnade zuteil werden (im letzen Teil der Antwort zur 21. Frage heißt es: »… mir von Gott geschenkt, aus lauter Gnaden, allein um der Verdienste Christi willen«). Das ist wahrer Glaube. Ich habe Gemeinschaft mit Christus, und ich weiß es, weil ich ihn kenne und liebe und mich auf ihn verlasse und ihm vertraue: das ist Glaube!

Ist es das, was ihr habt? Ihr seht, daß hier das Problem anfängt. Ihr sagt: »Ich meine zwar, diesen Glauben zu besitzen, aber als Sie im ersten Teil der Predigt all die anderen, falschen Arten des Glaubens beschrieben haben, da habe ich mich selbst erkannt! Ich erkenne in mir die Sünde, all diese Dinge mit dem Verstand anzunehmen, aber ich sehe in mir nur wenig oder gar keine Liebe für diese Dinge. Ich erkenne in mir«, so sagt ihr, »eine Begeisterung, die kurzzeitig aufflackerte, aber kurz darauf verlosch, und ich bin nicht sicher, ob sie jemals wiederkommen wird. Ich erkenne in mir den Wunsch, viel für die Gemeinde zu tun, um von den anderen gesehen zu werden, und ich erkenne in mir«, so sagt ihr, »den Wunsch, hier Mitglied zu sein wegen all der guten Dinge, die mir zuteil werden. Und dann frage ich mich« – und ihr fragt euch dasselbe, denn der Teufel ist nicht untätig: »Ist mein Glaube echt oder ist er einer jener Arten des falschen Glaubens, welche die Bibel auch noch Glauben nennt?« Woher wollt ihr Gewißheit haben?

Gewißheit, Gemeinde Gottes, gewinnt ihr nicht unbedingt dadurch, daß ihr euren Blick auf euren Glauben richtet, sondern dadurch, daß ihr ihn auf Jesus Christus richtet. Es stimmt, daß das Volk Gottes aufgerufen ist, auf seinen Glauben zu achten und seinen Glauben zu prüfen. Und das tun wir heute hier. Aber wir sollten sehr darauf bedacht sein, daß wir nicht all unsere Aufmerksamkeit unserem Glauben als solchem widmen, sondern daß vielmehr unser Glaube seine Aufmerksamkeit auf den Herrn Jesus, den Christus, richtet.

Wenn ich noch einmal auf den Anfang der Predigt zurückkommen darf, auf meine allererste Frage und das Bild, das ich verwendete: Wenn ihr hungrig seid, konzentriert ihr euch dann auf euren Mund oder auf die Speise? Denkt ihr an eure Hand, die sich nach diesem Stück Fleisch oder jenem Glas Milch ausstreckt, oder denkt ihr an das Fleisch und die Milch? Darüber sprechen wir heute. Konzentriert euch nicht auf die Hand und den Mund, sondern auf das, was ihr mit Hand und Mund zu euch nehmt; dann werdet ihr wissen, daß euer Glaube ein wahrer Glaube ist!

Manchmal – und jetzt verwende ich ein anderes Bild – bemerken Gläubige, daß sie krank werden, und manchmal fallen Gläubige in die Sünde, daß sie so sehr über ihr körperliches Wohlbefinden nachdenken, daß, wenn sie nicht jeden Morgen Fieber messen oder sich selbst aufs gründlichste untersuchen, sie wirklich krank werden oder die Symptome der Krankheit aufweisen. Ihr kennt solche Gläubigen, vielleicht kennt ihr sie aus eurer Nachbarschaft oder aus eurer Familie. Man bleibt aber nicht gesund, indem man täglich Fieber mißt. Man kommt nicht zu körperlichem Wohlbefinden, indem man sich dauernd die Frage stellt: »Werde ich heute Kopfschmerzen haben?« Oder: »Wird mein Magen heute weh tun?« Um gesund zu bleiben, arbeitet man und denkt nicht dauernd an diese Dinge, sonst gerät man in die Falle, in der sich so mancher Hypochonder verfangen hat, und redet sich selbst krank.

Das gleiche gilt im geistlichen Sinn. Es gibt Leute mit Depressionen, und das erste, was der Pastor oder die Ältesten zu ihnen sagen, wenn sie denn wirklich depressiv sind, ist dies: »Geliebte im Herrn Jesus Christus, seid sehr, sehr vorsichtig, daß ihr nicht dauernd nur über euch selbst nachdenkt!« Oftmals bemerkt man, daß jemand, der in Ängsten schwebt, der verzweifelt und verzagt ist, kaum noch an seine Arbeit, seine Familie, die Kirche Christi und die Sache des Königreichs denkt und sich fast gar nicht mehr um diese Dinge kümmert, sondern nur noch mit sich selbst beschäftigt ist, mit seinen Bedürfnissen, seinen Wünschen, seinen Freuden, seinen Vergnügungen, seinen Gefühlen. Mit solchen Menschen geht es bergab, und sie machen sich selbst psychisch krank. Für körperliches und geistiges Wohlbefinden hat Gott uns so geschaffen – und jetzt werdet ihr verstehen, worauf ich hinauswill –, daß wir unsere Aufmerksamkeit nicht so sehr auf uns selbst konzentrieren, sondern auf die Dinge, die Gott uns zu tun aufgetragen, und die Kirche, die Gott uns gegeben hat, um in ihr zu leben.

So ist es im geistlichen Sinn. Mit den Mitgliedern der Kirche Christi, die pausenlos ihren Glauben untersuchen, geht es psychisch bergab, und sie beginnen an ihrem Glauben zu zweifeln. Glaube tut so etwas nicht. Laut Hebräer 11 schaut der Glaube nach außen – auf Gott. Der Glaube schaut nach außen – auf Jesus Christus. Der Glaube ist wie ein Auge. Der Glaube schaut nicht ständig in den Spiegel, um zu sehen, ob es ihm noch gut geht. Dem Glauben geht es gut, wenn er das tut, was er tun soll: Hand und Mund der Seele sein, mit denen man den Herrn Jesus Christus ergreift und aufnimmt.

Was taten Abraham und Sarah? In Hebräer 11 ist es beschrieben: Als sie 80 und 90 Jahre alt waren und noch immer keine Kinder hatten, als sie körperlich so gut wie tot waren, um noch Kinder zeugen zu können, da erschien ihnen Gott und redete zu ihnen. Nun muß man sich zwei Dinge klarmachen, zum einen, was Abraham und Sarah nicht taten, und zum anderen, was sie taten: Sie zogen nicht die Leblosigkeit ihrer eigenen Körper in Betracht. Sarah tat es nicht – doch, zuerst tat sie es, das war ihre Sünde, von der sie aber Buße tat –, Sarah gedachte nicht der Leblosigkeit ihres eigenen Schoßes, sondern der Verheißungen Gottes, der versprochen hatte, er werde ihr einen Sohn schenken. Hätte sie sich nur auf ihren erstorbenen Schoß konzentriert, hätte sie niemals einen Sohn bekommen. Und hätte Abraham sich ständig nur eingeredet: »Ich bin 90!«, hätte er niemals einen Sohn bekommen. Sie wendeten ihren Blick von sich selbst ab und richteten ihn auf Gott und nahmen außerhalb ihrer selbst die Verheißungen an und empfingen, was Gott ihnen im Evangelium verheißen hatte. Glaube blickt nach außen! Was tat Abraham, nachdem Gott ihm einen Sohn geschenkt hatte und sprach: »Nun opfere deinen Sohn als Opfer auf dem Altar«? Hätte Abraham nur die sichtbare Wirklichkeit seines 13- oder 14jährigen Sohnes, des Messers, des Blutes und des Feuers in Erwägung gezogen, hätte er das niemals getan. So aber gedachte er der Verheißungen Gottes und glaubte, daß Gott fähig wäre, Isaak von den Toten aufzuwecken, und darum spricht Hebräer 11 davon, daß Abraham Isaak, seinen Sohn, auf dem Altar opferte. Jawohl, er tat es wirklich! Wenn auch nur in Abrahams Herzen, so starb der Junge doch als Opfer. Warum? Weil Abraham auf Isaak auf dem Altar blickte? Nein, sondern weil er auf Gott hörte und auf Gott selbst blickte.

Was ist Glaube? Gemeinschaft mit Christus. Glaube ist eine Hand, ist ein Mund, der Christus empfängt. Doch manchmal gibt es Winter – wenn wir uns hinsichtlich unseres Glauben einmal so ausdrücken wollen –, und im Winter passiert nicht viel. Und dann fangen wir an zu zweifeln. Ich betrachte meine Hände und sage: »Meine Hände sind kraftlos, und auch mein Mund ist nicht sonderlich aktiv gewesen. Und darum meine ich, ich kann kein Gläubiger sein.« Tut das nicht! Erkennt, daß Gott euch Hände gegeben hat, daß Gott euch einen Mund gegeben hat, das heißt, daß Gott euch mit Christus vereinigt hat, daß aber jetzt Winter ist und ihr um Sommer bitten müßt. Und sollte es solch eine Zeit in eurem Leben geben – ob jetzt oder in der Zukunft –, in der es keine Früchte gibt und kein Saft steigt und keine Blätter zu sehen sind, dann schließt daraus nicht, daß der Baum tot sei. Sondern laßt dies eine Zeit sein, die euch zum Gebet ruft: Gott, laß in mir wieder Frühling sein, laß in mir wieder den Lebenssaft aufsteigen, laß mich wieder Blätter austreiben und Früchte hervorbringen!

Glaube! Manchmal gibt es im Glauben Winter, aber auch Frühling und Sommer. O Gott, gib, daß es Sommer in uns gibt, viele Sommer und lange Sommer und viele Früchte! Glaubt ihr? Ihr antwortet: »Natürlich!« Nehmt ihr alles an, was die Bibel lehrt, alles, was im Apostolischen Glaubensbekenntnis zusammengefaßt und in allen reformierten Bekenntnisschriften und im Wort Gottes erklärt wird? Ihr antwortet: »Natürlich, aber das ist doch bloßer Kopfglaube!« Dann will ich euch die folgende Frage stellen: Liebt ihr diese Wahrheiten? Und ihr entgegnet: »Nicht so, wie es sein sollte.« Meine Antwort ist: Volk Gottes, sei nicht so negativ! Liebt ihr diese Lehren? Liebt ihr sie? Wenn Gott diese Liebe in euer Herz gelegt hat, sagt ihr dann, ihr liebtet sie nicht so, wie es sein sollte? Liebt ihr diese Dinge? Dann ist eure Antwort: »Ja, ich liebe diese Wahrheiten! Ich habe Glauben! Gott, hilf meinem Unglauben, denn ich bin voller Unglauben und finde in mir oft, daß ich hasse, was das Wort Gottes sagt und das Evangelium von mir fordert. Aber das ist meine Sünde, das ist der alte Mensch in mir, doch das heißt nicht, daß ich keinen Glauben hätte.«

Setzt ihr all euer Vertrauen in Christus? Verwerft ihr alle Selbstgerechtigkeit und alle eigenen Werke? Glaubt ihr, daß ihr nur in Jesus vor Gott annehmbar seid? Ihr erwidert: »Ja, aber oft vertraue ich auf meine eigenen Werke. Oftmals verlasse ich mich auf meinen eigenen Wert …« Sagt so etwas nicht! Und wenn ihr so redet, dann tut Buße davon und sagt: »Gott hat mir Glauben geschenkt, so daß ich mich Christus anvertrauen will. Ich weiß, daß ich mein Vertrauen nicht in mich selbst setzen darf.« Ihr seid dem Herrn Jesus, dem Christus, eingeleibt. Ihr habt wahren, rettenden Glauben.

Habt ihr Glauben? Ihr jungen Leute mit Glauben, mit wahrem, rettenden Glauben, standet ihr schon hier vorne vor der Gemeinde? Ist euer Glaube echt? Dann solltet ihr eines Tages hier stehen, ja schon bald solltet ihr hier stehen und euren Glauben vor allen bekennen, so daß wir alle wissen, wer ihr seid und wo ihr steht. Und dann wird Gott dieses Bekenntnis verwenden, so daß – wie man so sagt – der Lebenssaft steigt, Blätter austreiben und Früchte wachsen – nicht durch die Handlung als solche, sondern durch das Wirken des rettenden Glaubens.

Gemeinde Gottes, wenn ihr euren Glauben nicht bekannt habt und nicht aktiv im Glauben lebt, könnt ihr euch nicht vorstellen, was der Glaube vermag und wie mächtig der Glaube ist. Vielleicht kann das keiner von uns. Aber denkt euch den Glauben so: Der Glaube empfängt nicht nur die Wohltaten Christi, sondern Christus selbst. Und weil Christus Gott ist, hat man durch diesen rettenden Glauben die allmächtige Kraft Gottes in sich! Und wenn man Gott in Christus in sich hat, dann handelt man, dann ist man tätig und aktiv und beeifert sich in der Kirche des Herrn Jesus Christus und unter allen, die rettenden Glauben haben. Mit Glauben erringt man den Sieg. Das ist unser Sieg: unser Glaube. Ihr kämpft gegen die Welt, gegen eure eigene, sündige Natur – aber hierin liegt euer Sieg: Glaube! Versteht ihr die Wege Gottes nicht? Nagen die Zweifel an euch, wenn der Lehrer euch erklärt, daß die wissenschaftlichen Beweise zeigten, daß die Schöpfung nicht so stattgefunden habe wie im Wort Gottes beschrieben? Dann versteht durch euren Glauben, daß die Welten durch Gottes Wort bereitet worden sind, so daß das Sichtbare nicht aus Erscheinendem geworden ist. Euer Glaube befähigt euch dazu, weil euer Glaube Christus empfängt, und Christus in euch versteht die Wege und Werke Gottes in der ganzen Schöpfung und in eurem eigenen, persönlichen Leben. Der Glaube wirkt großartige, wunderbare Dinge. Seid ihr beeindruckt von den Werken der Glaubenshelden in Hebräer 11? Sagt ihr: »Ich bin nicht sicher, ob ich je zu gleichem imstande wäre. Wenn wir Moses Eltern gewesen wären, hätten wir ihn dann drei Monate verborgen und anschließend weggegeben?« O ja, ihr hättet es getan – durch Glauben, durch die Gabe des rettenden Glaubens! Es gibt nichts, Gemeinde Gottes, was ihr nicht tun könntet, wenn ihr Glauben an Jesus Christus habt, der euch stärkt. Habt ihr Bürden, habt ihr Leid und Schmerz zu ertragen? Dann lest heute Hebräer 11: Frauen erhielten ihre Toten durch Auferstehung wieder – durch Glauben. Andere wurden durch Verhöhnung und Geißelung versucht, dazu durch Fesseln und Gefängnis. Sie wurden gesteinigt, verbrannt, zersägt, starben den Tod durch das Schwert, gingen umher in Schafpelzen, in Ziegenfellen, hatten Mangel, Drangsal, Ungemach. Sie irrten umher in Höhlen und den Klüften der Erde … Wie? Ein Wort: Glaube, die Gabe Gottes, die Gott durch die Predigt des Evangeliums und durch den Ruf, den ihr heute hier hört, schenkt. Zweifelt nicht, seid nicht ungläubig! Glaubt, und lebt ewig!

Amen.