| 1. | Großer Gott, du liebst Erbarmen, straf mich Armen doch in deinem Zorne nicht! Züchtigst du, ach, deine Stimme ruf im Grimme mich nicht vor dein Zorngericht! V. 2 |
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| 2. | Ich bin voller Angst und Schrecken, und es stecken deine Pfeile tief in mir. Schwer ist deine Hand; gebücket, schier erdrücket lieg ich in dem Staub vor dir. V. 3 |
| 3. | Sieh, mein ganzer Leib erkranket, alles wanket; wie zermalmend ist dein Dräun! Ach, vor meinen vielen Sünden fühl ich schwinden Fried und Ruh in dem Gebein! V. 4 |
| 4. | Meine Missetaten steigen hoch und beugen mein mit Scham bedecktes Haupt; ihre Last drückt mich darnieder, meine Glieder werden aller Kraft beraubt. V. 5 |
| 5. | Meine Wunden zeigen greulich, wie abscheulich alle meine Sünden sind, da ich in den Eiterbeulen, die nicht heilen, Strafe meiner Torheit find. V. 6 |
| 6. | Oh, ich gehe hart gedrücket, krumm gebücket über meinen Jammerstand! Trostlos trag ich alle Tage meine Plage, eingehüllt in Traurgewand! V. 7 |
| 7. | Es versengt mein Eingeweide, und ich leide in dem Innern heiße Glut. Welch ein Jammer! Ach, ich finde, daß die Sünde mir verzehret Fleisch und Blut! V. 8 |
| 8. | Schmachtend muß ich schier verzagen; ganz zerschlagen, kraftlos, ja zermalmt bin ich; und in meinem bittern Schmerze bringt das Herze nichts als Angstgeschrei vor dich. V. 9 |
| 9. | All mein Wünschen, all mein Hoffen leg ich offen und bedecke nichts vor dir, sind doch Seufzer nicht noch Sorgen dir verborgen. Ach, Erbarmer, hilf du mir! V. 10 |
| 10. | Sieh, mein Herz ist ganz erschüttert, zagt und zittert, weil mir Lebenskraft gebricht. Ach, vor meinem Aug erbleichet, ja, es weichet ganz vor mir das Tageslicht. V. 11 |
| 11. | Meine Lieben, meine Freunde sind wie Feinde, die mir gegenüberstehn. Die mich ihren Bruder nannten, Anverwandten, scheuen, meine Plag zu sehn. V. 12 |
| 12. | Die mich trachten umzubringen, legen Schlingen, deren Absicht tötend ist. Tief sucht jeder mich zu kränken, sie erdenken unaufhörlich neue List. V. 13 |
| 13. | Ich will taub sein und nichts hören, mich nicht wehren, was die Bosheit red und tu: Lästern alle, hör ich jeden beißend reden, bleib ich dennoch stumm dazu. V. 14 |
| 14. | Ja, ich will die Bösen tragen, wenn sie sagen: »Widersprechen darf er nicht.« Schweigen bleibt doch meine Sache, denn die Rache ist des Herrn, er hält Gericht. V. 15–16a |
| 15. | Herr, ich fleh um dein Erbarmen für mich Armen, meine Seele harrt auf dich; du wirst für die Wahrheit sprechen, Lügen rächen: Herr, mein Gott, sprich du für mich! V. 16 |
| 16. | Herr, ach, höre meine Bitte! Laß die Tritte, die ich tue, feste sein, daß nie, die mir widerstreben, sich erheben und sich meines Falles freun! V. 17 |
| 17. | Unter meiner Last zu sinken und zum Hinken bin ich nur zu sehr bereit. Denn mir häufen sich die Schmerzen, tief im Herzen wühlen Reue, Furcht und Streit. V. 18 |
| 18. | Offen will ich dir bekennen und dir nennen alle meine Missetat. O wie quält mich jede Sünde, da ich finde, wie sie mich zerrüttet hat. V. 19 |
| 19. | Aber meine Feinde leben und erheben sich im Glanze hoch empor. Die unbillig mich verlassen und mich hassen, treten alle stolz hervor. V. 20 |
| 20. | Tu ich Gutes, sie vergelten mir mit Schelten und verfolgen mich mit Schmach. Doch ihr Hassen und Beneiden will ich leiden, denn ich folg dem Guten nach. V. 21 |
| 21. | Stehe du in diesem Streite mir zur Seite, Herr, mein Gott, verlaß mich nicht! Ohne dich besteh ich nimmer, zeig du immer mir dein holdes Angesicht! V. 22 |
| 22. | Wirst du nicht von allem Bösen mich erlösen? Bist du nicht mein Gott, mein Teil? Eile dann, mir beizustehen, hör mein Flehen: Herr, ich warte auf dein Heil! V. 23 |
Bereimung: Matthias Jorissen (1798) – Melodie: Straßburg/Genf (1542)/Genf (1551) – Satz: nach B. de Vries