| 1. | Steigt zu Gott nicht meine Stimme? Ja, zu Gott steigt meine Stimme. Er, er ist’s, der Heil verleiht, wenn die Seele zu ihm schreit. Unter Druck und bangen Nöten will ich immer zu ihm beten. Meine Hand bleibt ausgestreckt auch noch, wenn die Nacht mich deckt. V. 2–3a |
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| 2. | Meine Seele liegt darnieder, aller Trost ist ihr zuwider, ein Gedanke selbst an Gott bringt sie oft in Angst und Not. Sag ich ihr, wie Gott sonst hörte, gnädig gab, was ich begehrte, so verschmachtet mir mein Herz: Ach, wie dieser ist kein Schmerz! V. 3b-4 |
| 3. | Lange währen Angst und Kummer meinen Augen allen Schlummer, oft sank ich dahin erstarrt, daß die Zunge sprachlos ward. Schwankend konnt ich mich noch halten, dacht ich an die Zeit der Alten, da, o Herr, so mancher Tag laut von deiner Gnade sprach. V. 5–6 |
| 4. | Oft erinnre ich mich wieder in der Nacht noch meiner Lieder, da ich bei der Harfe Klang froh von deiner Gnade sang: Red ich dann mit meinem Herzen über diese meine Schmerzen, forscht mein Geist dann hin und her, alle Antwort wird mir schwer. V. 7 |
| 5. | Sind denn Gottes Gunstgenossen ewiglich von ihm verstoßen? Finden sie denn kein Gehör, Schenkt er keine Gnade mehr? Ist es aus mit seiner Güte, daß sie uns nicht mehr behüte? Soll sein Wort nicht fest bestehn, nicht mehr in Erfüllung gehn? V. 8–9 |
| 6. | Wer kann Gottes Gnad ermessen? Hat er ihrer nun vergessen? Hält der Zorn in seinem Lauf immer sein Erbarmen auf? Das sei ferne! Bet und wache! Flehen bleibt der Armen Sache. Ach, zu ändern meinen Stand steht allein in Gottes Hand. V. 10–11 |
| 7. | Ich will – Gott kann alles lenken – an die großen Taten denken, auf die alten Wunder sehn, die dich, unsern Gott, erhöhn, und an allen deinen Werken deine Majestät bemerken, reden, wenn du Wunder tust, still anbeten, wenn du ruhst. V. 11b-13 |
| 8. | Heilig, Gott, sind deine Wege! Wer ist, der sie tadeln möge? Wer ist Gott in Not und Tod? Wer ist groß wie du, o Gott? Ja, du bist’s, und deine Stärke spricht durch deine Wunderwerke, Du verschaffst beim Heidentum dir durch deine Allmacht Ruhm. V. 14–15 |
| 9. | Herr, dein Volk wird nicht verderben. Israels und Josephs Erben hat dein mächtger Arm befreit aus der schweren Dienstbarkeit. Wasser sahen dich, sie sahen Gott zu ihren Ufern nahen, zitterten zurück, erschreckt stand der Abgrund aufgedeckt. V. 16–17 |
| 10. | Da der düstern Wolken Güsse strömten Wasser hin wie Flüsse, flogen Pfeile deiner Hand furchtbar durch das ganze Land. Da im Sturm der Donner knallte, schrecklich ringsum widerhallte, stand der Erdkreis zitternd da, als er deine Blitze sah. V. 18–19 |
| 11. | Herr, du bahntest deinem Heere einen Weg im tiefen Meere, durch das Wasser ging dein Pfad, den kein Mensch erfunden hat. Moses und auch Aaron führte deine Herde; du, o Hirte, brachtest sie mit eigner Hand hin in das verheißne Land. V. 20–21 |
Bereimung: Matthias Jorissen (1798) – Melodie: Genf (1551) – Satz: nach B. de Vries