| 1. | Herr Gott, bist du mein Heiland nicht? Im Drucke meiner schweren Plage schrei ich zu dir bei Nacht und Tage. Verbirg mir nicht dein Angesicht! Dein Ohr hat oft mein Flehn vernommen, laß, laß es jetzt auch vor dich kommen! V. 2–3 |
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| 2. | Ach, satt von Jammer, Angst und Not ist meine abgehärmte Seele. Wo ist wohl Angst, die mich nicht quäle? Mein Leben selber ist ein Tod. Ein Mann, der kraftlos bald verschmachtet, wird schon den Toten gleich geachtet. V. 4–5 |
| 3. | Ich lieg geworfen in den Staub und sinke zu den Toten nieder. Wer kehrt von den Erschlagnen wieder? Ich bin des finstern Grabes Raub. Hier muß ich deinen Anblick missen und bleibe deiner Hand entrissen. V. 6 |
| 4. | O Gott, du hast mich in die Gruft, in diese Finsternis verstoßen und in den Abgrund eingeschlossen, ich such und finde keine Luft. Es treiben deine Zornesflammen die Fluten über mich zusammen. V. 7–8 |
| 5. | Du setzest mich zum Scheusal hin, den nun selbst alle Freunde fliehen, um den sich keiner darf bemühen, weil ich verbannt und unrein bin. Mit Todesstricken rings umgeben, ist hier kein Rückweg mehr zum Leben. V. 9 |
| 6. | Mein Auge blickt in meiner Not zu dir hinauf, es weint sich müde. Ich ruf zu dir, doch flieht dein Friede, und grauenvoll naht sich der Tod. Ich heb bei meinem nahen Ende zu dir empor die matten Hände. V. 10 |
| 7. | Zeigst du an Toten deine Macht, und sollen wir Verstorbne sehen hervor aus ihren Gräbern gehen, damit dir werde Lob gebracht? Wird man dir Ehr im Grab erweisen, beim Moder deine Treue preisen? V. 11–12 |
| 8. | Ist deine Kraft und Herrlichkeit hier in der Finsternis zu sehen? O wer kann je dein Recht erhöhen im Lande der Vergessenheit? Herr! Herr! So schrei ich jeden Morgen, und bleibt dir denn mein Flehn verborgen?V. 13–14 |
| 9. | Ach, Herr, warum verwirfst du mich, verbirgst du dich noch meiner Seele, da ich von Jugend auf mich quäle und nun verschmachte jämmerlich? Mein Herz muß unter schweren Plagen vor Angst und Kummer schier verzagen. V. 15–16 |
| 10. | Ich seh in deinem Zorngericht dich furchtbar auf mich niederblicken, ich fühl, wie deine Schrecken drücken, und, ach, sie weichen von mir nicht, da sie gleich Fluten mich umringen und immer drohn, mich zu verschlingen. V. 17–18 |
| 11. | Ach, dein Erbarmen kennt mich nicht! Du weichst und hast auch, die mich lieben, durch dein Gericht von mir vertrieben. Mir wird jetzt alle Liebespflicht und aller Trost in Not entrissen, ich klag’s den trauten Finsternissen. V. 19 |
Bereimung: Matthias Jorissen (1798)